Vorlesung: Grundlagen der sprachlichen Interaktion

Dr. Peter Gilles
Mittwoch 14:00-16:00



Die Vorlesung bietet einen (keineswegs vollständigen) Überblick über das weite Forschungsgebiet der sprachlichen Interaktion. Dieses Untersuchungsgebiet wird von verschiedenen linguistischen Teildisziplinen angegangen, die jeweils auf unterschiedliche Aspekte der sprachlichen Interaktion fokussieren und teilweise auf unterschiedlichen theoretischen Grundannahmen basieren. Dies führt dazu, dass bis heute keine einheitliche Theorie der sprachlichen Interaktion vorliegt. Stattdessen lässt sich eine Theorievielfalt feststellen, die sich u.a. in den Forschungsansätzen der Pragmatik, der Konversationsanalyse, der interaktionalen Soziolinguistik, der Diskursanalyse oder der Gesprochenen-Sprache-Forschung manifestiert. Als zentrale Leitfrage ist allen Ansätzen gemeinsam: Welche Prozesse ereignen sich in der verbalen Inter-aktion zwischen zwei (oder mehr) GesprächspartnerInnen und wie lassen sich diese Prozesse linguistisch erfassen und beschreiben? In der Vorlesung wird diese komplexe Leitfrage vor dem Hintergrund der verschiedenen Theorieentwürfe diskutiert und anhand der Forschungsergebnisse verdeutlicht. Neben der Vorstellung der theoretischen Konzepte werden nach Möglichkeit exemplarische Analysen anhand authentischer Sprachdaten (Transkript, Audio, Video) vorgeführt. Zunächst werden die älteren Kommunikationsmodelle (Shannon, Bühler, Jakobson) einer kritischen Prüfung unterzogen. Können mit einem Sender-Empfänger-Modell alle relevanten Aspekte adäquat erfasst werden? Danach folgt die Diskussion der linguistischen Pragmatik (Sprechakttheorie (Austin, Searle) und Kommunikationsmaximen (Grice)). Aus sozio-logischen und ethnomethodologischen Quellen sind die verschiedenen Spielarten der Konversationsanalyse entstanden, die sprachliche Interaktion als fortwährenden Prozess der Herstellung und Absicherung sinnhafter sozialer Ordnung begreifen. In diesem Zusammenhang wird ausführlich auf die Systematik des Sprecherwechsels (turn-taking), der Reparaturen und die Kontextualisierungsforschung eingegangen. Neben der Diskussion der theoretischen Grundlagen werden auch die Beschreibungsverfahren der Gesprochenen-Sprache-Forschung vermittelt. Dazu zählen phonetische Aspekte, Prosodie (Akzent, Intonation, Sprechgeschwindigkeit), syntaktische Besonderheiten, Bedeutungskonstitution im Gespräch, Sequenzanalyse und Gattungsspezifika.

Literaturangaben:

  • Auer, Peter 1999: Sprachliche Interaktion. Eine Einführung anhand von 22 Klassikern. Tübingen: Niemeyer.

  • Schwitalla, Johannes 2003: Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung. 2. Auflage. Berlin: Schmitt.