Die
Vorlesung bietet einen (keineswegs vollständigen) Überblick
über das
weite Forschungsgebiet der sprachlichen Interaktion. Dieses
Untersuchungsgebiet wird von verschiedenen linguistischen
Teildisziplinen angegangen, die jeweils auf unterschiedliche Aspekte
der sprachlichen Interaktion fokussieren und teilweise auf
unterschiedlichen theoretischen Grundannahmen basieren. Dies führt
dazu, dass bis heute keine einheitliche Theorie der sprachlichen
Interaktion vorliegt. Stattdessen lässt sich eine Theorievielfalt
feststellen, die sich u.a. in den Forschungsansätzen der Pragmatik,
der
Konversationsanalyse, der interaktionalen Soziolinguistik, der
Diskursanalyse oder der Gesprochenen-Sprache-Forschung manifestiert.
Als zentrale Leitfrage ist allen Ansätzen gemeinsam: Welche Prozesse
ereignen sich in der verbalen Inter-aktion zwischen zwei (oder mehr)
GesprächspartnerInnen und wie lassen sich diese Prozesse linguistisch
erfassen und beschreiben? In der Vorlesung wird diese komplexe
Leitfrage vor dem Hintergrund der verschiedenen Theorieentwürfe
diskutiert und anhand der Forschungsergebnisse verdeutlicht. Neben der
Vorstellung der theoretischen Konzepte werden nach Möglichkeit
exemplarische Analysen anhand authentischer Sprachdaten (Transkript,
Audio, Video) vorgeführt.
Zunächst werden die älteren Kommunikationsmodelle (Shannon,
Bühler,
Jakobson) einer kritischen Prüfung unterzogen. Können mit einem
Sender-Empfänger-Modell alle relevanten Aspekte adäquat erfasst
werden?
Danach folgt die Diskussion der linguistischen Pragmatik
(Sprechakttheorie (Austin, Searle) und Kommunikationsmaximen (Grice)).
Aus sozio-logischen und ethnomethodologischen Quellen sind die
verschiedenen Spielarten der Konversationsanalyse entstanden, die
sprachliche Interaktion als fortwährenden Prozess der Herstellung und
Absicherung sinnhafter sozialer Ordnung begreifen. In diesem
Zusammenhang wird ausführlich auf die Systematik des Sprecherwechsels
(turn-taking), der Reparaturen und die Kontextualisierungsforschung
eingegangen. Neben der Diskussion der theoretischen Grundlagen werden
auch die Beschreibungsverfahren der Gesprochenen-Sprache-Forschung
vermittelt. Dazu zählen phonetische Aspekte, Prosodie (Akzent,
Intonation, Sprechgeschwindigkeit), syntaktische Besonderheiten,
Bedeutungskonstitution im Gespräch, Sequenzanalyse und
Gattungsspezifika.
Literaturangaben:
Auer, Peter 1999: Sprachliche Interaktion. Eine
Einführung
anhand von 22 Klassikern. Tübingen: Niemeyer.
Schwitalla, Johannes 2003: Gesprochenes Deutsch. Eine
Einführung. 2. Auflage. Berlin: Schmitt.