Prof. Dr. Elke Hentschel/Barbara Etterich


Übung DaF-Praxis

Merkblatt (<-- hier auch als PDF zum Herunterladen und Ausdrucken)


Was von Ihnen erwartet wird:
Zunächst begleiten Sie ganz einfach einen Konversationskurs und stehen den Deutschlernenden als Gesprächspartner/in zur Verfügung. Das ist eine wertvolle Hilfe für die Lernenden.

Bei dieser Gelegenheit werden Ihnen morphologische oder syntaktische Fehler auffallen. Das können die unterschiedlichsten Dinge sein: etwa ein falsch gebildetes (sie reitete) oder ein falsch gebrauchtes Tempus (Guck mal, dein Taxi kam schon), Genusfehler (der Spinne), Kasusfehler (Ich sehe der Löwe), Artikelfehler (Ich wohne in Schweiz) oder Wortstellungsfehler (Heute ich gehe ins Kino) – um nur einige Beispiele zu nennen. Sie suchen sich nun Ihren "Lieblingsfehler" aus und achten verstärkt darauf. Falls Sie sich im Moment davon überfordert fühlen, gleichzeitig ein Gespräch zu führen und Fehler zu beobachten, können Sie auch fragen, ob Sie Aufnahmen machen dürfen. Aber in den meisten Fällen wird es reichen, wenn Sie sich während es Gesprächs Notizen machen, die Sie am besten sofort im Anschluss an die Stunde vervollständigen.

Der nächste Schritt für Sie ist nun, genauer zu analysieren, was da eigentlich genau falsch gemacht wird. Wichtig ist dabei auch: kommt der beobachtete Fehler regelmäßig vor oder war beispielsweise reitete nur ein Einzelfall, weil das Verb reiten noch unbekannt war? Suchen Sie nun nach den Regeln, gegen die verstoßen wurde. Dazu recherchieren Sie in Grammatiken des Deutschen. Wenn Sie wollen, können Sie auch nachsehen, wie das jeweilige Phänomen in DaF-Lehrbüchern erklärt wird; das sollte aber stets nur ein zusätzlicher Schritt sein und nicht der einzige, den Sie auf der Suche nach den Regeln gehen.

Am Ende schreiben Sie einen kleinen Bericht (ca. 5 Seiten) über Ihre Beobachtungen sowie die Regeln, die Sie gefunden haben. Idealerweise können Sie dabei anhand der von Ihnen gesammelten Beispiele zeigen, was genau schief gegangen ist. Bei der Fehlererklärung kann es auch sinnvoll sein, die jeweilige Muttersprache mit zu berücksichtigen. Aber das ist natürlich schon recht anspruchsvoll. Wenn Sie so weit nicht kommen, reicht es auch, wenn Sie erst einmal nur Ihre Fehlerbeispiele auflisten und im Anschluss daran die Regeln und Gesetzmäßigkeiten erläutern, gegen die sie verstoßen.

Ziel der Veranstaltung:
Die Übung verfolgt (neben der Hilfestellung für die DaF-Lernenden) zwei Ziele: Sie soll Sie zum einen für die Wahrnehmung von Fehlern sowie der Einschätzung der Art des jeweils vorliegenden Fehlers sensibilisieren. Zum anderen erarbeiten Sie sich ein kleines, DaF-relevantes Teilgebiet der deutschen Grammatik. Damit erwerben Sie für die konkrete Arbeit im Bereich DaF wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten: wenn Sie jemandem beim Erlernen des Deutschen helfen wollen, müssen Sie sowohl erkennen, wo die individuellen Schwierigkeiten liegen, als auch in der Lage sein, darauf ggf. mit mehr als nur: "Das ist falsch, richtig muss es heißen: ..." zu reagieren.

Weitere Möglichkeiten:

Im MA-Studium "Deutsche Sprachwissenschaft" gibt es die Möglichkeit, anstelle von Kursbesuchen zwei "freie Arbeiten" zu schreiben. Das sind Hausarbeiten, die nicht an ein Seminar gebunden sind und deren Thema Sie frei auswählen können. Themen aus dem Bereich DaF sind dafür ideal geeignet. Sie können Ihre Beobachtungen und Recherchen, aber auch andere Themen aus diesem Bereich (z. B. Spracherwerbstheorie oder DaF-Didaktisches) in der Folge also durchaus zu einer solchen Arbeit ausbauen.

Beratung:
Für Probleme, die mit dem Kurs selbst und seiner Durchführung zusammenhängen, steht Ihnen Frau Etterich gerne zur Verfügung. Wenn Sie Fragen zu grammatischen Problemen oder zur Konzeption einer freien Arbeit haben, können Sie sich selbstverständlich jederzeit an mich wenden. Meine "virtuelle Sprechstunde" unter jasam@germ.unibe.ch ist durchgehend geöffnet.

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